30.11.2014

Begegnung zweier Brüder

Bei seinem offiziellen Besuch in Istanbul, dem historisöchen Konstantinopel, bezeichnete Papst Franziskus Patriarch Bartholomaios I. als „geliebten Bruder“ unter Verweis auf das Brüderpaar Andreas und Petrus. Der Apostel Andreas ist der Schutzpatron des Patriarchats und er war zusammen mit Petrus auch im Glauben und in der Liebe zu Christus verbunden. Der Papst bat bei diesem insgesamt vierten Treffen der Kirchenoberhäupter der katholischen und orthodoxen "Schwesterkirchen" seinen Amtsbruder um einen Segen.

Der Papst hob die Vielfalt christlicher Kirchen als Bereicherung hervor. Dies sei ein Zeichen der Inspiration durch den Heiligen Geist, nicht der Spaltung. Er warnte vor "statischen und unveränderlichen Positionen", hob aber gleichzeitig hervor, dass der Wunsch nach Einheit nicht zur Uniformität der christlichen Kirchen führen dürfe.

Bartholomaios I. sieht in der Reise von Papst Franziskus ein Zeichen dafür, "dass der brüderliche und kontinuierliche Weg mit unserer orthodoxen Kirche zur Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft zwischen unseren Kirchen fortgesetzt wird."

Die Reise von Papst Franziskus in die Türkei dauert vom 28.-30. November. Für 2016 wird mit Spannung das erste gemeinsame Konzil aller orthodoxen Partiarchate seit 1200 Jahren erwartet, zu dem der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I. im März 2014 eingeladen hatte.

 

 

31.10.2014

Zum Reformationstag rückt die Einheit der Christen, nicht die Spaltung der Konfessionen, in den Vordergrund

Bischof Michael Bünker
Kardinal Christoph Schönborn

Heute, am Reformationstag 2014, liegt der Thesenanschlag Martin Luthers genau 497 Jahre zurück. Werden wir im Reformationsjubiläumsjahr 2017 500 Jahre Spaltung des christlichen Abendlandes begehen oder uns neu der Gemeinsamkeiten der Konfessionen besinnen können? Prägnante Aussagen führender Persönlichkeiten der christlichen Kirchen unserer Tage lassen letzteres hoffen.

Bischof Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. und Generalsekretär der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa äußerte sich anlässlich des Reformationsempfangs bei der Akademie der Wissenschaften in Wien am 29. Oktober optimistisch und stellte das Gemeinsame zwischen den Konfessionen in den Mittelpunkt. Das Reformationsjubiläum könne eine Chance sein, "vereint in den Unterschieden voranzugehen. Es gibt keinen anderen Weg, um eins zu werden", zitierte Bischof Bünker Papst Franziskus in seiner Rede. Wichtig sei das Miteinander vor allem mit der Römisch-katholischen Kirche, aber auch mit Baptisten und Mennoniten. Die Reformation lasse sich auch nicht auf ein kirchliches Erneuerungsprogramm beschränken, sei "mehr als eine Reform", nämlich "Aufbruch weit über die Kirche hinaus" mit Auswirkungen bis heute. Das Reformationsjubiläum bedeute daher "nicht sich selbst zu feiern, sondern aufzubrechen in die Welt". Klar ist für Bünker auch, dass sich beim Reformationsjubiläum der "Blick nicht zurück, sondern nach vorne" richten werde.

Bei dem Ökumenischen Stadtgespräch in der Woche zuvor hatte Bischof Bünker bereits betont, dass die Lutherische Kirche traditionell von „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ als Ziel ökumenischer Annäherung spricht. Besondere Bedeutung misst er den Fortschritten des Zweiten Vatikanischen Konzils zu, das einer der teilnehmenden Kardinäle als „Luthers Konzil“ bezeichnet hatte, nämlich jenes Reformkonzil, das der Reformator immer gefordert hatte.

Auch in anderer Hinsicht hat die Katholische Kirche Schritte unternommen, die die theologischen Differenzen zwar nicht aus der Welt räumen, aber die Sichtweisen zumindest kompatibler machen. Die Streitfrage „Rechtfertigung aus Glauben oder aus Werken“, die eine der großen Bruchlinien zwischen Wittenberg und Rom markiert, wurde mit der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre abschließend geklärt: „Wir sind angenommen allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi… und vom Heiligen Geist befähigt zu guten Werken“, heißt es in diesem wegweisenden Text, der von den beiden Kirchen im Jahr 1999 unterzeichnet wurde.

Und zu einem zweiten großen Streitpunkt der Reformation der Frage nach dem Fundament der Kirche, wie nämlich das „Petrusamt“ der römischen Päpste zu verstehen sei, gab kürzlich Kardinal Christoph Schönborn in seiner Predigt zum Messiasbekenntnis des Petrus (Mt. 16,16) eine für viele überraschende Erklärung, bei der er sich aber auf den Katechismus der Katholischen Kirche (Absatz 424) berufen konnte: „Der Fels, auf dem Jesus seine Kirche baut, das ist das Bekenntnis des Petrus: ‚Du bist der Christus, der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.‘ Der Fels ist dieses Bekenntnis! Jeder, der sich zu Jesus bekennt, ist wie Petrus ein Fels. Und dieser Glaube wird nicht untergehen.“ Das ist im Kern nichts weniger als die „klassische“ protestantische Auslegung dieser Stelle, wogegen Katholiken meist in der Person des Petrus und in seinen Nachfolgern, den Päpsten das Fundament der Kirche sahen.

Ganz offensichtlich haben sich die theologischen Sichtweisen auch in dieser Frage entscheidend angenähert. Ein einheitliches Verständnis geht bereits soweit, dass zwischen der Weltweiten Evangelischen Allianz und dem Vatikan bereits ein weitergehendes Grundsatzdokument in Diskussion ist: "Unity in Faith and Unity in Missions". Wenn wir, so die Erkenntnis, ein gemeinsames Glaubensbekenntnis haben und das gleiche Verständnis von Rechtfertigung und Erlösung, so müssen wir auch den Missionsauftrag Jesu zu  unsererem gemeinsamen Anliegen machen.

Einen Video-Mitschnitt der Aussagen von Kardinal Schönborn und Bischof Bünker sowie weitere Berichte zur Ökumene findet man auf unserer Medienseite „Psalm133“.

 

 

10.04.2013

Papst Franziskus und die Ökumene

„Papst will Fenster und Türen öffnen“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hofft nach seinem Treffen mit Papst Franziskus auf Fortschritte in der Ökumene. Nach seinem Eindruck sei der neue Papst bereit, „Fenster und Türen zu öffnen, damit neue Wege möglich sind“, sagte Schneider nach seinem etwa eine halbe Stunde dauernden „Austausch von Herz zu Herz“. Er habe Franziskus eingeladen, „aktiv“ an dem Reformationsjubiläum 2017 teilzunehmen, sagte Schneider weiter.

Bericht: Frankfurter Allgemeine Zeitung

Bericht Religion ORF: Evangelische Kirche läd Papst nach Wittenberg ein

 

Kardinal Bergoglio und seine evangelikalen Freunde

„Papst Franziskus wird ein starker Unterstützer der Charismatischen Erneuerung sein und er hat ein gutes Verständnis für den ökumenischen Aspekt und inter-kirchlichen Charakter der Geistausgießung unserer Tage”, berichtet der in Österreich lebende Theologe und Priester Dr. Peter Hocken, Mitglied der Doctrinal Commision des ICCRS. Hier sein Bericht aus erster Hand, was unmittelbar vor der Abreise von Kardinal Bergoglio zum Konklave geschah. Ausführlicher Bericht im Rundbrief der Europäischen Katholisch-Charismatischen Erneuerung.

Auch andere bekannte Persönlichkeiten aus den Erneuerungsbewegungen der verschiedenen Glaubensrichtungen berichten über ihre Begegnungen mit Papst Franziskus aus der Zeit, als er noch Erzbischof von Buenos Aires war und Kontaktperson für die Charismatische Bewegung in Argentinien. Ralph Martin, Präsident von Renewal Ministries und selbst ein Katholik, hebt anerkennend hervor, dass der Papst der Charismatischen Erneuerung und den Themen Evangelisation und Ökumene befürwortend gegenübersteht.

Charles Whitehead (Anglikanische Kirche) reiste im Jahr 2005 in seiner Rolle als Vorsitzender von ICC (International Charismatic Consultation on World Evangelisation) gemeinsam mit Lutheranern, Reformierten, Pfingstlern und Katholiken nach Buenos Aires, um die ökumenischen Beziehungen und Aktivitäten zu fördern. Die ICC verfolgt drei Ziele: Erneuerung im Heiligen Geist, Förderung der Einheit unter Christen und die Evangelisierung der ganzen Welt. Der erste Besuch der Delegation galt Erzbischof Jorge Bergoglio. Über diese Begegnung schreibt Charles Whitehead:

„Wir wurden sehr warmherzig empfangen und Erzbischof Bergoglio drückte seine Unterstützung für unsere Vision und Mission aus. Im Gespräch wurde sofort klar, dass uns ein Mann gegenüber saß, der bereits das tat, was wir voranbringen wollten. Er hatte gute und offene Beziehungen mit Leitern der anderen Denominationen und Glaubensgemeinschaften. Wir erlebten ihn als zuvorkommenden, demütigen, humorvollen und mutigen Mann von großer Intelligenz. Er war sensibel, ein Mann des Gebets und der Person Jesu sowie seinem Auftrag, ihn den Menschen bekanntzumachen, völlig hingegeben. Er wusste um die Notwendigkeit des Wirkens des Heiligen Geistes für die Aufgabe, zwischen den kirchlichen Leitern harmonische Beziehungen zu schaffen. Am Ende unseres Gesprächs kniete er nieder und bat uns um unser Gebet für ihn. Nachdem wir ihm die Hände aufgelegt hatten und für ihn und mit ihm gebetet hatten, verließen wir ihn mit seinem Segen für die Aufgaben, die in diesen Tagen vor uns lagen.“

Quelle: Euccril Newsletter 254

Auch führende Persönlichkeiten aus dem evangelikalen Lager berichteten in den letzten Tagen erstaunliche Details aus ihren Begegnungen mir Kardinal Bergoglio. Praktisch jeder von ihnen erzählt von seinem inzwischen weltweit bekannten Markenzeichen, nämlich dass er bei jeder Gelegenheit die Menschen um Gebet für ihn bittet. Luis Palau, ein international bekannter Evangelist, der selbst aus Argentinien stammt gab der US Zeitschrift Christianity Today ein Interview, in dem er den neu gewählten Papst Franziskus als „persönlichen Freund“ bezeichnet. „Er ist auf Jesus zentriert und auf das Evangelium, das reine Evangelium“, sagte Palau. „Für die Evangelikalen war es ein sehr großer Tag, als sie erkannten, dass er ihnen gegenüber wirklich offen war und einen großen Respekt vor bibelgläubigen Christen hat. Im Prinzip stellte er sich auf ihre Seite“.

Zitiert nach Christianity Today

CRECES-Konferenzen: Gemeinschaftliches Treffen von Evangelikalen und Katholiken

Und welche Frucht die ökumenischen Initiativen in den letzten 10 Jahren in Argentinien bereits getragen haben, sieht man besonders deutlich an den „CRECES-Konferenzen“, in denen Katholiken und Evangelikale in eindrucksvoller Weise die zentralen und gemeinsamen Aspekte ihres Glaubens feiern. (Hinweis: der Begriff „evangélicos“ schließt in Südamerika auch die Pfingster ein.) Es überrascht nicht, dass auch für diese Veranstaltungen Kardinal Bergoglio einer der Initiatioren war.

Bericht: Gemeinschaftliches Treffen von Evangelikalen und Katholiken